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Twin Transformation Summit 2025 - Synergien nutzen, Wandel beschleunigen

Twin Transformation Summit
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Am 4. Dezember 2025 fand der Twin Transformation Summit als dreistündige Online-Veranstaltung statt und brachte Vertreter:innen aus Wissenschaft, Unternehmenspraxis, Beratung sowie Studierende zusammen, um das Zusammenspiel von Digitalisierung und Nachhaltigkeit aus unterschiedlichen Perspektiven zu beleuchten. Veranstaltet vom Lehrstuhl für BWL, insbesondere Sustainability Management, am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der RPTU Kaiserslautern-Landau und eingebettet in die Aktivitäten der Offenen Digitalisierungsallianz Pfalz II, knüpfte der Summit inhaltlich an den Sustainability Impact Summit des Vorjahres an und setzte zugleich neue Akzente mit einem klaren Fokus auf die sogenannte Twin Transformation. Die Veranstaltung diente gleichzeitig als Fachkonferenz der Plattform Nachhaltigkeit der Science and Innovation Alliance Kaiserslautern e.V. (SIAK).

Eröffnet wurde die Veranstaltung von Prof. Dr.Katharina Spraul (RPTU Kaiserslautern-Landau), die in ihrer Begrüßung den thematischen Rahmen absteckte. Sie machte deutlich, dass die digitale Transformation keineswegs automatisch zu mehr Nachhaltigkeit führt, sondern dass sie einer bewussten Gestaltung bedarf, um ökologische, soziale und ökonomische Ziele in Einklang zu bringen. Gerade vor dem Hintergrund steigender Energieverbräuche durch Digitalisierung und KI sei es notwendig, digitale Innovationen systematisch mit Nachhaltigkeitszielen zu verknüpfen und interdisziplinär zu denken. Weiterer Gastgeber war die SIAK müsste hier nicht noch Herr Apfel erwähnt werden als Co-Sprecher der Plattform Nachhaltigkeit der SIAK

Daraufhin eröffnete Dr.Jens Lehnen (valantic GmbH) gemeinsam mit Holger Feist (The Nunatak Group GmbH) den inhaltlichen Teil mit einem dialogischen Impuls. Aus Beratungsperspektive zeigten sie auf, wo Unternehmen aktuell in der Twin Transformation stehen und welche Herausforderungen sich in der praktischen Umsetzung ergeben. Zentrale Themen waren dabei der Umgang mit Daten, die Frage nach organisationalen Reifegraden sowie die Erkenntnis, dass Nachhaltigkeit häufig noch stark aus einer Berichts- und Regulierungsperspektive gedacht wird. Gleichzeitig wurde betont, dass digitale Technologien – etwa datenbasierte Analysen oder KI-gestützte Entscheidungsunterstützung – enorme Potenziale bieten, um Nachhaltigkeit nicht nur messbar, sondern auch strategisch nutzbar zu machen. Besonders prägnant war die Beobachtung, dass der Vergleich mit Wettbewerbern oftmals neue Dynamiken auslöst und Nachhaltigkeit dadurch zunehmend als strategischer Wettbewerbsfaktor wahrgenommen wird.

Diese Überlegungen wurden im anschließenden wissenschaftlichen Impuls von Dr.Eddy Groen (IREB & Fraunhofer IESE) vertieft. Anhand aktueller Studienergebnisse aus dem Bereich Software- und Systementwicklung zeigte er, dass Nachhaltigkeit bislang nur unzureichend in digitale Entwicklungsprozesse integriert ist. Zwar sei ein wachsendes Problembewusstsein vorhanden, doch fehlten häufig klare Verantwortlichkeiten, standardisierte Vorgehensweisen und entsprechende Kompetenzen. Besonders eindrücklich war der Hinweis, dass Nachhaltigkeit in digitalen Systemen früh mitgedacht werden müsse, da spätere Anpassungen nur begrenzt Wirkung entfalten. Damit schlug der Impuls eine wichtige Brücke zwischen technischer Gestaltung und unternehmerischer Verantwortung.

Im anschließenden Panel, moderiert von Prof. Dr.Katharina Spraul, kamen diese Perspektiven zusammen. Neben Dr.Jens Lehnen, Holger Feist und Eddy Groen brachte Josef Apfel (FUCHS LUBRICANTS GERMANY GmbH) Einblicke aus der industriellen Praxis ein, während Prof. Dr.Tanja Rabl (RPTU Kaiserslautern-Landau) die forschungsbezogene Perspektive ergänzte. Diskutiert wurde entlang der ESG-Dimensionen, wie Digitalisierung zur Steigerung von Energieeffizienz, Transparenz und Entscheidungsqualität beitragen kann, aber auch, welche Risiken entstehen, wenn technologische Entwicklungen nicht von kulturellem Wandel begleitet werden. Besonders intensiv wurde die Rolle der Mitarbeitenden thematisiert: Nachhaltige Transformation, so die Erkenntnisse aus der Forschung von Prof. Dr. Tanja Rabl, gelingt nur dann, wenn Menschen aktiv eingebunden, befähigt und intrinsisch motiviert werden. Gleichzeitig wurde die aktuelle regulatorische Unsicherheit – etwa im Kontext der Omnibus-Diskussion auf EU-Ebene – kritisch reflektiert. Mehrere Stimmen betonten, dass eine Reduktion von Berichtspflichten zwar Entlastung schaffen könne, Nachhaltigkeit jedoch nicht auf regulatorische Mindestanforderungen verkürzt werden dürfe.

Nach einer kurzen Pause boten die Breakout-Sessions Raum für vertiefende Auseinandersetzung. In der Session „Twin Transformation – Brücke zwischen Disziplinen“ zeigten Carolin Langhauser (RPTU Kaiserslautern-Landau) und Dr.Eddy Groen, wie herausfordernd, aber zugleich gewinnbringend interdisziplinäre Zusammenarbeit sein kann. Im Fokus stand die Frage, wie unterschiedliche Fachlogiken – etwa aus Wirtschaftswissenschaften, Informatik oder Ingenieurwesen – miteinander verbunden werden können, um nachhaltige digitale Lösungen zu entwickeln. Die Diskussion machte deutlich, dass Twin Transformation nicht nur technologische, sondern auch kommunikative Übersetzungsarbeit erfordert.

Parallel dazu vermittelte Angelina Horbach(RPTU Kaiserslautern-Landau) im Workshop „Prompt Engineering in der praktischen Anwendung“ konkrete Einblicke in den produktiven Einsatz von KI-Systemen wie ChatGPT. Anhand praxisnaher Beispiele wurde gezeigt, wie durch gezielte Prompts Effizienzgewinne erzielt, kreative Prozesse unterstützt und Nachhaltigkeitsfragen systematisch bearbeitet werden können. Dabei wurde auch kritisch reflektiert, dass KI als Assistenzsystem zu verstehen ist und menschliche Bewertung und Verantwortung nicht ersetzen kann.

Den Abschluss der Veranstaltung bildete ein gemeinsames Fazit, in dem zentrale Erkenntnisse noch einmal zusammengeführt wurden. Der Twin Transformation Summit 2025 machte deutlich, dass Digitalisierung und Nachhaltigkeit keine getrennten Transformationspfade sind, sondern sich gegenseitig verstärken können – vorausgesetzt, sie werden bewusst gemeinsam gestaltet. Besonders hervorgehoben wurden die Bedeutung von Daten, interdisziplinärem Austausch, organisationaler Kultur und der aktiven Einbindung von Mitarbeitenden. Mit seinem offenen, dialogorientierten Format und der engen Verzahnung von Praxis und Wissenschaft setzte der Summit damit ein starkes Signal für die weitere Ausgestaltung der Twin Transformation und bot zahlreiche Impulse für zukünftige Forschung, Lehre und unternehmerische Praxis.

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